Vor Kurzem habe ich ein kleines, unscheinbares Buch zum Thema Entrepreneurship / Existenzgründung gekauft. "Kopf schlägt Kapital" von Prof. Faltin (Professor an der freien Universität Berlin).
Aktuell hat dieses Buch bei Amazon (04.01.2010) eine Kundenbewertung von: 35 Bewertungen mit fünf Sternen, 3 Bewertungen mit vier Sternen, 2 Bewertungen mit drei Sternen und 1 Bewertung mit zwei Sternen. Also eine ingesamt sehr gute Kritik. Das machte mich neugierig!
H. Bender schreibt in seiner Amazon-Kritik: "Dieses Buch ist so hervorragend ...
... weil der Autor nicht nur Professor für Unternehmensgründung ist, sondern selbst ein millionenschweres Teegeschäft auf die Beine gestellt und mit Erfolg auf dem Weltmarkt etabliert hat (diese Geschichte erzählt er ausführlich);
... weil der Leser endlich erfährt, dass man keine besonderen Talente braucht, um ein Unternehmen zu gründen, sondern dass das jeder kann - sofern er nur den Mut hat, diesen Schritt zu wagen;
... weil der Leser Ideen und Werkzeuge an die Hand bekommt, wie man eigene Geschäftsideen entwickeln und auf ihre Erfolgstauglichkeit testen kann;
... weil dieses Buch ein völlig neues Bewusstsein dafür weckt, dass die Festanstellung schon lange nicht mehr sicher und die Unternehmertätigkeit längst nicht unsicher ist - sondern dass sich in der Arbeitswelt ein fundamentaler Wandel vollzieht, der auch großartige Chancen bietet.
Noch dazu versteht es der Autor, in einer lebendigen, volksnahen Sprache zu schreiben. Ein Buch, das man erst aus der Hand legt, wenn die letzte Seite gelesen ist."
Drei Zitate aus dem Buch:
"Was ärgert mich an manchen Produkten? Ärger ist eine große Quelle von Energie. [...] Neues entsteht eher dort, wo Herkömmliches radikal in Frage gestellt wird." S. 32
Herkömmliches radikal in Frage stellen? Was könnte man beispielsweise beim Thema Gründungsberatung radikal in Frage stellen? Über welche Dinge ärgere ich mich diesbezüglich?
"Ein altes Sprichwort sagt: Jeder Schwachkopf kann Dinge kompliziert machen. Es verlangt mehr Hirn, Dinge so zu durchdenken, dass sie möglichst einfach und überschaubar bleiben." S. 46
Wie kann man das Thema Selbstständigkeit radikal vereinfachen? Wie kann man alle komplizierten Vorgänge auslagern?
"Wer neu auf den Markt kommt, der sollte doppelt so gut und halb so teuer sein wie die Konkurrenz, also Faktor vier!" S. 55
Welche Produkte oder Dienstleistungen sind doppelt so gut und halb so teuer wie die Konkurrenz? Wäre ein solcher Ansatz nicht ein schlagendes Verkaufsargument? Wie kann man diesen Produktvorteil belegen? Sind dazu nicht radikale Konzepte erforderlich?
Video zum Thema:
Einen guten Eindruck von Prof. Faltins Gedanken bekommt man auf dessen Videocast-Website. Beim Feld "Suche" bitte das Schlagwort "Aufbruch" eingeben.
Ich muss gestehen, dass "Kopf schlägt Kapital" meine Sicht auf das Thema Selbstständigkeit / Existenzgründung durchaus bereichert hat. Sehr empfehlenswert!
Wer mehr von Prof. Faltin lesen möchte, dem kann ich die vielen kostenlosen Texte auf http://www.entrepreneurship.de empfehlen.
AntwortenLöschenAußerdem gibt es seit kurzem das Buch aus als ungekürzte Hörbuchversion.
Danke für den Hinweis Herr Komm! Eine sehr gute Ergänzung.
AntwortenLöschenDanke, für den Weblink und den Tipp zu diesem Vortrag. Hier nun mein Senf dazu! :-)
AntwortenLöschenDen Ansatz von Prof. Faltin, sich als Gründer auf seine Idee und Kernkompetenz zu beschränken und sämtliche Nebenschauplätze des Alltagsgeschäfts an diejenigen abzugeben die hierin Spezialisten sind, finde ich wirklich klasse! Wir kennen es aus unserem eigenen Büroalltag, wie viel Arbeitszeit für Administration drauf geht und somit für unsere eigentliche Leistung fehlt... Die notwendigen Komponenten "nur noch" zu koordinieren, ist eine verlockende Vorstellung.
Besonders schön finde ich seine Aussage "die Menschen bei ihrer Energie packen", die persönlichen Träume, Menschenstärke einbeziehen und darauf achten, dass die Idee wirklich zu mir passt. Das ist ein sehr menschennahes Denken (und weniger kühl betriebswirtschaftlich), das mir sehr gut gefällt!
Auch seine "Kritik" daran, dass es zu wenig wirklich gute Ideen gibt, sondern zu 89 % reine Imitationgsgründungen ("noch ein Copy-Shop, noch ein Friseur,..."), kann ich sehr gut nachvollziehen. Das ist auch ein Punkt dem wir bei unserer Gründungsberatung immer wieder begegnen. Ergebnis ist, dass wir immer wieder einen künstlichen USP schaffen müssen da es meist keinen echten Produkt-/Nutzenvorteil gibt.
Seinen Appell, den er ja auch immer wieder betont, den Schwerpunkt absolut und definitiv auf das KONZEPT (Konzept, Konzept, Konzept!) zu legen, vorhandenes neu zu denken und zu kombinieren, eigenwillig zu sein und nicht bei anderen abzugucken (!), würde ich ebenso "in die Welt hinaustragen". Diesen Ansatz kann ich ebenfalls unterstützen und mehr als gut nachvollziehen (auch hier taucht der künstliche USP wieder auf).
Er betont hierbei auch immer wieder den Zeitaspekt und "verlangt" eine lange Planungs- und Denkzeit von den Gründern.
Und jetzt prallen Realität und Wissenschaft / Theorie aufeinander! Und zwar heftig.
AntwortenLöschenGründungsanlass ist zu einem sehr hohen Prozentsatz die Arbeitslosigkeit. Der Schritt in die Selbstständigkeit wird meist nur gewagt, um Schlimmeres (meist das "Abrutschen" in Hartz IV) zu verhindern. Das geschieht meist sehr kurzfristig (kurz vor Auslaufen der Bezüge), spontan und aus der Motivation die ökonomische Not abzuwenden heraus. Auch diesen plötzlichen Zeitdruck kennen wir aus unserem Beratungsalltag. Der Appell, womöglich Jahre mit der Konzeptplanung zu verbringen, verpufft an dieser Stelle.
Die Gründung wird zumeist in dem Bereich vollzogen in dem vorher bereits gearbeitet wurde - also eine "verteufelte" Imitationsgründung. Was sollen die Menschen auch sonst "auf die Schnelle" hervorbringen? In diesem System ist kein Zeitfenster und Kapital zur Selbstfindung vorgesehen.
Die Selbstständigkeit wird weniger mit Chance und Selbstverwirklichung verbunden, sondern vielmehr mit Risiko und Unsicherheit - das ist die Mentalität der deutschen Gesellschaft!! Sicherheit (durch Festanstellung) wird bevorzugt. Die fehlende Risikofreude (die er ja auch selbst anspricht) ist ein gesellschaftliches Phänomen und zeigt aus meiner Sicht sehr deutlich, dass der Ansatz von Prof. Faltin wenig auf das gesamtdeutsche Gründungsklima (und somit die Praxis bzgl. einer breiten Masse!) übertragbar ist.
Die Beispiele (welche die Praxistauglichkeit beweisen sollen) die er anführt, sind aus meiner Sicht idealisiert dargestellt. Soweit ich weiß, hat der IKEA-Gründer nicht das konkrete Ziel gehabt durch die Selbstmontage der Möbel durch die Kunden den ultimativen Preis- und Innovationsvorteil zu schaffen, sondern hatte in der Gründungsphase als Möbelbauer einfach kein Geld um sich einen Transporter zu leisten, der komplett montierte Möbel hätte transportieren können - stattdessen hat er die Einzelteile in einen Fahrradanhänger gelegt. Erst als er gemerkt hat, dass es bei den Kunden gut ankommt ist es zum Unternehmenskonzept geworden. Das entspricht der Entwicklung eines klassischen Gründungsunternehmens: stark beeinflussbar von der Kundenmeinung / -nachfrage. So viel zum lange vorher überlegten Konzept...
Alle seine Beispiele beziehen sich (mal wieder) nur auf Großunternehmen, die international agieren. Das gilt auch für seine selbst gegründeten Firmen!! Bei allen Ideen war es das Ziel "etwas Großes" zu machen (soweit ich das verstanden habe). Hier bleiben (mal wieder) die Kleinstunternehmen / KMU auf der Strecke. Das ist eine Tatsache, die mich schon in meinem Studium fast verrückt gemacht hat - schließlich teilt sich die deutsche Unternehmensstrukur zu ca. 80% in KMUs auf. Und die meisten Unternehmen WOLLEN ein Unternehmen, das sie selbst überblicken, steuern und organisieren - wenn sie als Selbstverwirklichung betrachten. Hier stellt sich also die Frage, inwiefern und ob überhaupt das Aufsplitten in Administration, Konzept und Komponenten von deutschen Unternehmern wirklich GEWOLLT ist.
Zudem scheitern internationale Pläne / Ansätze (die einige Ideen sicher effizienter machen würden) schon an Sprachbarrieren der Gründerpersonen.
Prof. Faltin und seine Studenten können all diese Überlegungen (und Gründungen) in einer ausgesprochen luxuriösen Situation anstellen: im warmen Hörsaal, mit Geld auf der Bank und großem zeitlichen Spielraum, da keine Existenzängste im Nacken klemmen. Dann hat man wirklich Zeit Jahre in ein Unternehmenskonzept zu stecken!
AntwortenLöschenVertrautes = Sicherheit. Bei den Imitationsgründungen spielt der Sicherheitsfaktor für mich eine große Rolle.
Ich denke, dass dieser entwickelte Ansatz (den ich trotz aller Kritik wirklich gut finde!), den Gründer mehr als Komponisten einzusetzen, die Welt wirklich besser machen könnte - wie er es in seinen Abschlussworten sagt. Traumhafte Vorstellung, dass jeder Mensch nur seine Träume und Stärken einsetzt und damit vermutlich auch glücklicher wäre.
Realitätstransfer: Das wird aber sich nur denjenigen vorbehalten bleiben, die sich solche Überlegungen als luxuriösen Zeitvertreib leisten können und ohnehin eine gute Portion unternehmerische Schaffenskraft in sich haben.
Transfer auf unsere Beratungsleistung: Auf unsere Kunden nicht anwendbar! Diesen Ansatz können wir nur selbst verfolgen und unsere eigenen Ideen realisieren.